Tag 1: Mo, 28. April 2025: Basel-Obereichsel
ERSTAUNLICH: wir gehen zur Haustüre hinaus und sind nach zwei Stunden „auf freiem Fuss“ auf einem Weg, den wir noch nie gegangen sind.

Unbekannte Wege und Wegzeichen, neue überraschende Einblicke und Ausblicke in Fussdistanz von der eigenen Haustüre.

Beispiel „Arschgiige“. Sie witzt in Degerfelden.
Tag 2: Di, 29. April 2025: Obereichsel–Wehr
Heute sind wir mit Gabi den halben Tag zusammen unterwegs. Sie kam mit ihrem Fahrrad von zu Hause, um pünktlich mit uns loszuwandern. Und wir erleben zusammen, was Gabi einst in unser Hasenbuch schrieb. Hier das Original:

Gabi muss wieder zurück und schreibt uns: „Stellt euch vor:
Ich bin von einer Pferdekutsche mitgenommen worden, das war grandios!!“
Das war ein super-schöner Tag!
Wir schauen zurück. In der Ferne nur noch ganz klein, „unser“ Chrischona-Turm. Wir kommen voran!

Tag 3: Mi, 30. April 2025: Wehr-Todtmoos
Jetzt müde gelaufen in Todtmoos Au. Ein gelb leuchtendes Strassenschild zeigt nach „Wehr 12 km“. Vor 7 Stunden sind wir dort aufgebrochen.
Mit einem Auto wäre die Strecke in 10 Minuten gefahren. Irgendwie brutal für müde Fussgänger.

Unser Weg heute hiess Schluchtensteig. Wikipedia: „Ein Steig bezeichnet ursprünglich einen engen Weg über Anhöhen und Berge, der nicht von Fahrzeugen befahren werden kann.“ Eben: Unsere Pfade schlängeln sich, steigen und fallen, oft steil. Doch der Pfad ist weich, kein Hartbelag. Wir gehen gemeinsam, gemütlich, langsam. Wir bewundern mächtige Buchen, verblühten Wasserpest und goldgelbe „Bachgummele“.

Wir erzählen uns lange Geschichten von früher. Wir gehen Schritt für Schritt und haben Zeit!
Tag 4: Do, 1. Mai 2025: Todtmoos–Feldbergpass
Heute widmen wir uns den Wegen, die wir gehen.

Unser Wandertag beginnt mit einem Pfad, der unseren Füssen und Seelen wohltut. Er schlängelt sich einen Waldhang hinauf. Heute müssen wir über 1000 m Steigungen bewältigen.
Nach diesem teppichweichen Weg biegen wir in einen steinigen Kaugummiweg ein. Der Weg wird länger und länger, stetig ansteigend, ein Quäl-Weg.

Wir werden müde. Wir sagen laut zueinander: „Schritt für Schritt“ und finden so unseren Rhythmus. Wir steigen zum Herzogenhorn hinauf. Ganz winzig am Horizont sehen wir den Chrischona-Turm. Auf so unterschiedlichen Wegen sind wir nach 4 Tagen soweit gekommen!
Die letzten zwei Kilometer sind fast immer überaus mühsam. Heute auf Schotter steil hinab. Aber bald im Gasthaus. Annika und Paul besuchen uns und ein strenger Wandertag geht heiter mit einem gemeinsamen Znacht zu Ende.
Tag 5: Fr, 2. Mai 2025: Feldbergpass-Titisee
SCHUHE-FÜSSE-WEGE

Begegnung zweier Fussgänger heute: sie mit richtigen Enten-Füssen, bei mir ist es nur so eine Redensart, die auf ihre Weise auch stimmt.
Nachdenken über die eigenen Füsse. Ein Beispiel gibt’s hier.
Für meine Eltern gab es zwei wichtige Anschaffungen im Leben: Pfannen und Schuhe. Hier galt allein beste Qualität, der Preis war nicht kaufentscheidend.
Gestern brachte mir Annika meine schweren Bergschuhe. Ein Glücksfall! Es war höchste Zeit für meinen schmerzenden linken Fuss. Meine leichten Trekking-Schuhe haben mich zu sehr beschwert. Die schweren jetzt an den Füssen erleichtern mich. Meine Eltern haben recht.
Heute viele fuss-schmeichelnde Pfade und Wege. Weiche mit Tannennadeln gepolsterte Pfade.
Respektvoll über Wurzeln von Bäumen. Sind das nicht die Füsse von Bäumen? Tritt man einfach auf sie? Entschuldigung grossartige Baum-Persönlichkeiten! Denn wir wissen von Tolkien: Bäume können auch wandern. Die Ents!

So viele Wurzeln von Bäumen auf den Wegen!
Jetzt nicht mal so müde in Titisee beim Wanderbier. Wir freuen uns auf Morgen: unser erster Ruhetag (wohl ohne Feldbericht).
Tag 6: Sa, 3. Mai 2025: Ruhetag in Titisee
DENKWEGE-FUSSWEGE
Wir denken an die Route von morgen Sonntag. Sehen den Parcour vor uns. Zuerst auf dem Handy, dann im Kopf. Die Fusswege sind zuerst luftige Gedankenwege.
Robert Walser : Ich war schnell für 30 Minuten in der Türkei.
Gedanken sind schnell, Füsse langsam. Aber real Schritt für Schritt auf Feld-, Wald- und Wiesenwegen.
Die Karte ist nicht die Landschaft. Und auch nicht der Fussgang.
Heute für Morgen an das Wetter denken. 85 % Regen Wahrscheinlichkeit. Das macht Sorgen. Auch nach einer prächtigen Woche Schönwetter.
Die Eisheiligen sind im Anmarsch, die kalte und heilige Sophie und unser Ziel heisst – kein Witz: Kaltenherberg. Uiuiui… Erst Morgen werden wir erfahren, wie es dann wirklich ist.
Wir werden morgen Abend berichten können.

Mit der Höllentalbahn ins Himmelreich fahren. Das geht. Hier im Schwarzwald gibt es viele Inspirationen zur Heiterkeit.
Tag 7: So, 4. Mai 2025: Titisee-Kalte Herberge
Wasser
Die Wettervorhersage von gestern mit viel Regen für heute. Und doch beginnt unser Tag mit Sonntagmorgensonnenschein. Wir gehen ins Kaffi Bambi frühstücken und beginnen unseren Wassertag.

Das Papiersäckli im Brotkörbchen, damit man das reichlich angebotene Brot mitnehmen kann, erklärt, wie Wasser im Bambi geschätzt wird.
Die goldene Sonne voll Freud und Wonne (der Anfang eines Kirchenliedes, es ist jetzt Gottesdienst-Zeit) findet immer wieder ein Loch durch die wachsenden Wolkenungetüme. Bis es endlich kräftig regnet.
Meine Mutter deutete solches Nass als „es wachsigs Rägeli“

Und unsere neuen Pelerinen halten dicht.

Ab und zu bewundern wir Glunggekunscht.
Nach zwei Regenstunden dreht Petrus den Wasserhahn zu.
Schliesslich kommen wir in der Kalten Herberge an, eines der ältesten Gasthäuser im Schwarzwald (1480 erstmals erwähnt).
Wir loben das Wasser unter der Dusche und denken an ein Badelied der Hobbits: „Ein Hoch dem Bade, dem edlen Genuss, der abspült den Staub und des Tages Verdruss!“ Kein Verdruss, aber Schlamm und Sumpf!
Tag 8: Mo, 5. Mai 2025: Kalte Herberge-Kolmenhof
Wetter
Montagmorgengrau am montäglichsten aller Tage.
Heute mit stabiler Wetterlage: Dauerregen und heftiger kalter Nordwind.

Die Wettervorhersage entspricht heute leider der Wetternachhersage.
Nein, es gibt keine Alternative zum Fussgang. Also Pellerine überziehen, Handschuhe anziehen und los geht’s.

Hie und da begegnen wir ebenso nassen WestwegwanderInnen. Mit Galgenhumor wird über das Wetter ausgetauscht Alle sind irgendwie auf der Suche nach Aufheiterungen. Mein Freund Andreas sagte früher zu solchem Wetter: „Lieber kein Wetter, als solches Wetter!“ Wetter ist überall und für alle wichtig und ein Thema vieler Unterhaltungen.

Noch etwas Glunggenkunst. Eine Glungge ist eine Pfütze.
Eine kurze Mittagspause ist nötig. Wir kühlen schnell aus und müssen weiter. Wir kommen an tropfnassen Schönwetter- Bänken vorbei. Ohne Pausen macht wandern müde.
Im Wald stresst kein Wind. Die sonst harten Waldstrassen sind durch den Regen weicher als sonst. Das Moos leuchtet, die Flechten an den Stämmen glänzen.
Endlich, bei der Martinskapelle, unserem Ziel heute. Hier entspringt die Donau. Aus dem Schwarzwald ins Schwarze Meer. Passt schon.
Tag 9: Di, 6. Mai 2025: Kolmenhof – Bäracker
Wind und Kälte
Heute Wetterglück! Wir werden nicht nass! Aber kalt und windig.

Distanz nach Basel auf dem Westweg, den wir gehen
Wir hören in der „Kalten Herberge“ von einem Handwerksburschen, der im Juni vor langer Zeit hier oben erfroren sei.
Erst letztes Jahr habe es hier Ende April über einen Meter Neuschnee gegeben. Das Chaos sei ausgebrochen.
In solche Geschichten können wir uns heute gut einfühlen. Ein heftiger Nordwind bläst uns ins Gesicht. Alles, was wir dabei haben, ziehen wir an. Die gefühlte Temperatur ist etwa 0°C. Der Windchill Effekt. Der kalte Wind nimmt unsere Körperwärme mit.
An einem windstillen Ort werden Getränke angeboten. Im Brunnenhisle finden wir Mirabellenwasser. Es wärmt prächtig und unsere Stimmung bessert sich.

Zahlreiche Windräder im Original und als Spiegelbild heute am Weg unseres windigen Tages–
Ich denke an einen wundervollen Beatlessong. In meiner Seele singt Paul McCartney: The Long and Winding Road (Beatles 1970). Ein Lied von langen Wegen, die sich winden. Der Wander-Songwriter bleibt unterwegs in der Gewissheit, seine verlorene Liebe wiederzufinden. Der Weg windet sich und es ist windig.
Wir haben mehr Glück und unseren Ort gefunden. Jetzt freuen wir uns im warmen Gasthaus „zur schönen Aussicht“ auf unser Znacht.
Tag 10: Mi, 7. Mai 2025
Bäracker-Hausach
Die Farben sind zurück!
Wir sind nun zwei Tage durch einen düsteren Wald gewandert. Und die Wettervorhersage sah einen dritten, sonnenlosen Tag kommen.
Heute Morgen aber schien die Sonne. Ein prächtiger Tag brach an.
Das Sonnenlicht bringt die Farben zurück! Aus dem einen düsteren Grün werden vielfältige Nuancen von Grün. Wir sehen und freuen uns über leuchtende, seidenweiche, frisch geschlüpfte
Buchenblätter – wir kennen kein erfrischenderes Grün.

Himmelblau zart sind die Eierschalen einer Singdrossel auf unserem Weg.
Schwarz glänzen unzählige Käfer, Frühlingsmistkäfer, auf dem Weg. Claudia geht voraus und ruft immer „Käfer“. Damit ja keiner unter unseren Wanderschuhen sein Käferleben verliert. Denn auch sie leben gerne und brauchen den Wanderweg, wie wir, für ihr Vorankommen. In der Mittagspause haben wir ihre akrobatischen Künste bewundert. Oft landen sie auf dem Rücken, rutschen aus und grosses Mitgefühl kommt in uns für diese Käfermühseligkeiten auf!

Mehr zu den Mistkäferchen ist hier zu finden.

Die Rot-Blauen Markierungen mit einem aufwärts zeigenden Pfeil erinnern uns an die vielen BaslerInnen, die begeistert sind, dass diese FCB-Farben endlich wieder leuchten. Wir sind wohl noch immer auf unserem Weg nach OffenBACH, wenn der FCB Meister wird.

FARBEN…goldgelber Ginster, rot-weisse Rotoren der Windräder, die wie Riesenbäume aus dem Wald ragen.
Farben beleben uns. Unsere Stimmung wird heiter, unsere Schritte leichter.
Und nun sind wir zum ersten Mal in unserem Leben in Hausach, im mittleren Schwarzwald. Zu Gast bei einem Griechen im Gasthaus Löwen-Akropolis.
Tag 11: Do, 8. Mai 2025
Hausach – Harkhof
Wander-Alltag
Unser Wander-Alltag unterscheidet sich deutlich von unserem normalen Alltag. Je nach Etappenlänge klingelt der Wecker zwischen 7:00 und 7:30 Uhr. Dann husch husch ins Bad, alles zusammenpacken und in den Rucksack.
Nun zum Frühstück. Meistens gibt es ein Frühstücksbuffet, was für mich jedes Mal eine schwierige Entscheidung ist. Es gibt sehr viele gute Sachen und ich kann morgens fast nichts essen. Also muss ich mich entscheiden: entweder Birchermüsli mit Früchten oder ein Weggli mit Käse und Konfi, manchmal ein Ei. Zwei Tassen Kaffee, ein Glas Saft.
Zurück aufs Zimmer, alle Reste einpacken, ja nix vergessen, Brille, Ladegerät, die Kappe. Noch schnell die Zähne putzen, nochmal auf die Toilette. Wasserflaschen füllen und auschecken an der Rezeption.
Jetzt wandern wir los, immer gut gelaunt und voller Zuversicht. Mit Spannung erwarten wir den neuen Weg, den Wald, den weiten Himmel, die Blumen am Wegesrand und die Vögel.

Es geht bergauf und bergab. Wir versuchen, jede Stunde eine kurze Pause zu machen. Die Mittagspause sollte ein bisschen länger ausfallen, je nach Außentemperatur fällt sie aber auch mal kürzer aus.
Dann zurück in den Wander-Rhythmus. Nach der Mittagspause ist das manchmal ein bisschen harzig – die zweite Hälfte der Etappe steht meist noch an.

Am späten Nachmittag oder gegen Abend erreichen wir unser Etappenziel, mehr oder weniger erschöpft, und freuen uns auf unser Wanderbier.
Wir beziehen das vorbestellte Zimmer und packen alles aus dem Rucksack aus. Duschen, die Wanderwäsche waschen – Unterhose, BH, T-shirt, Socken, Nastuch.
Nun ist eine Siesta angesagt, für mich gerne im Bett. Schnell die neuesten Nachrichten, dann in meinem Buch lesen, manchmal ein paar WhatsApp an die wichtigen Menschen zu Hause schreiben.
Wir planen die Etappe für den nächsten Tag. Meist schon gegen 18 Uhr gehen wir zum Abendessen.
Um 20 Uhr sind wir in der Regel schon todmüde und um 20:30 Uhr liegen wir im Bett – zu Hause mache ich das höchstens, wenn ich krank bin. Ich lese noch ein bisschen, Werner macht den Feldbericht für unsere Website. Gegen 9 Uhr fallen uns die Augen zu.
Tag 12: Fr, 9. Mai 2025
Harkhof – Kniebis
Wind
Wir gehen heute nach Nordost. Von dort bläst uns heftiger Wind entgegen, kalter Gegenwind.
Also Zeit für ein paar Gedanken zum Wind. Gibt es etwas Positives über den Wind, der uns durch die Kleider bläst?
Wir hängen unseren eigenen Gedanken zum Wind nach und tauschen uns ab und zu aus. Gedankenspiele, Windspiele. «The answer, my friend, is blowin‘ in the wind».
Unterwegs lässt sich spielerisch Vielem nachgehen. Wir haben Zeit, leben im Zeit-Wohlstand und müssen nicht pünktlich irgendwo ankommen. Den Gedanken im Wind Zeit geben, bis wir sie hören.
Der Wind rauscht mächtig in den Baumkronen. Eine wohltuende Windsymphonie, unsere Waldwindwandermusik, Begleiter durch den ganzen Tag.
Wind in allen Stärken. Windkraft! Hier im Schwarzwald stehen zahlreiche Windräder. Die schlanken, eleganten Bauwerke schwingen sich hoch himmelwärts.
Der Wind ist auch zärtlich. Wir beobachten in einer Pause, wie ein Löwenzahnschirmchen im fantasievollem Auf und Ab vom Wind sanft durch die Luft getragen wird.
Es ist der Wind, der allerlei Blütenstaub durch den Wald trägt. Und also für neues Leben mithilft.

Überall sehen wir den gelben Blütenstaub der Fichten. Hier in einer ausgetrockneten Pfütze. Auch Glunggenkunst.
„Der Wind, der Wind das himmlische Kind!“ Das war doch auch im Wald. Gretchen antwortet clever auf die Hexen-Frage: „Knusper, knusper, knäuschen, wer knuspert an meinem Häuschen?“

„Wann hast du zum letzten mal etwas zum ersten mal gemacht?“ Dank dem Wind suchten wir Windschutz. In einem Wildbeobachtungshochsitz genossen wir unser Picknick.
Jetzt müde in Kniebis angekommen. Wir übernachten in einem guten, freundlichen Gasthaus. Wind geschützt.
Tag 13: Sa 10. Mai 2025
Kniebis Ruhetag
Wind Nachwehen
Heute geniessen wir einen RUHETAG und sind ein bisschen durch den Wind… im Hotel Kniebishöhe.

Der Wind weht noch ein bisschen durch meine Neuronen. Ich erinnere mich: Als Kind musste ich gegen den Wind , kinderärztlich verordnet, eine hässliche Schutzbrille tragen. Besonders die Bise ( Vater sagte immer mit viel Ärger: die Soumoore Bise!) rötete meine Augen.
Das Windrad von gestern visualisiert unsere ruhigen Runden, heute In Freudenstadt.

Endlich ein Amarena-Eis für Claudia und ein Bier für mir…
Tag 14: So, 11. Mai 2025
Kniebis – Unterstmatt
Westweg
Wer kennt in Basel den Fernwanderweg Westweg? Er endet in Basel und führt uns nun im westlichen Teil des Schwarzwaldes nach Norden. Etwa so wie der Rhein nach Norden fliesst.

Heute sehen wir zum ersten Mal in die Rheinebene hinunter bis nach Strassburg. Wir wandern über eine Hochebene, eine Heidelandschaft, mit grossartiger Aussicht.
Und noch ein gutes Wort zum Wind. Heute herrliche Sonne, der mässige Wind erfrischt!
Seit 14 Tagen sind wir unterwegs auf dem Westweg, der als Höhenweg über 285 km von Pforzheim nach Basel durch den Schwarzwald führt. Wir gehen anti-zyklisch, von Süd nach Nord. Also verkehrt, Gegenstromprinzip. Das Ende ist unser Anfang.
Und erst gerade haben wir bemerkt, dass wir im 125sten Jubiläumsjahr diesen Weg bewandern.

Laut Wikipedia wurde er im Jahr 1900 eröffnet und ist der älteste Fernwanderweg in Deutschland. Die beiden Initianten gehörten dem badischen Schwarzwaldverein an. Bis heute werden die Teilabschnitte von ehrenamtlichen Wegwart*innen des Schwarzwaldvereins der jeweiligen Ortssektionen kontrolliert und unterhalten. Für die Gemeinde Oberwolfach z.B. macht das 140 km für zwei Ehrenamtliche! Eine davon haben wir unterwegs getroffen.

Die Signalisation ist eine rote Raute auf weissem Grund. Dieser zuverlässigen Orientierung folgen wir vertrauensvoll!
Tag 15: Mo, 12. Mai 2025
Unterstmatt – Forbach
Viele Wege, ein Westweg
Bevor wir aufbrechen, schauen wir zusammen auf die Karte. Der Westweg zeigt sich stets als rote Linie. Wir diskutieren die Route. Auf- und Abstiege, mögliche Abkürzungen. Und immer wieder sind wir überrascht, wie dieser scheinbar eine rote Weg in der Wirklichkeit unter unseren Füssen aus unterschiedlichsten Wegen zusammengesetzt ist.
Es gibt Fusswohlpfade, Sandwege, Moos- und Graswege. Diese Pfade schmeicheln unseren Füssen wie dicke Teppiche und sie sind gleichzeitig eine Augenweide.

Anders sind die Schotterpisten. Der Schotter ist unterschiedlich grob gekörnt. Diese Wege gehen so. Es kommt darauf an, wie viel Weg unsere Füsse heute schon verarbeiten mussten. Die ersten zwei Kilometer sind fast immer problemlos, die letzten zwei schmerzen meistens.

Heute hatten wir viele Fussverdrehwege. Bei jedem Schritt muss man schauen, wie man auftritt. Und jedes mal verdreht sich der Fuss. Allerlei Steine liegen auf dem Weg und es geht steil hinab. Claudia denkt an einen Steinbesen. Fussverdrehwege sind heute auch einstige Bachbette, in einem Fall noch mit Bach.
Hie und da gehen wir auf Waldstrassen. Hier kommt man zügig voran, es wird mehr marschiert als gewandert, der Weg zieht an einem und man spult den Weg ab.

Auch Treppen sind Wege. Heute stiegen wir auf den Friedrichsturm. Grossartige Weitsicht. Strassburg, Baden-Baden, Karlsruhe. Sogar den mäandernden Rhein sehen wir.Bis wir heute in Unterstmatt zur grossen Tanne im Zimmer 3 ankommen.