Etappe 2: Von St. Ursanne dem Doubs entlang nach Soubey (gewandert am 2. Mai 2026).
Wir freuen uns am glitzernden, smaragdgrünen Wasser. Variantenreich fliesst der Fluss. Manchmal träge, still, geheimnisvoll. Widerwasser werden sichtbar am mitschwimmenden Blütenstaub. Bald fliesst das Wasser wieder munter weiter.
Seine Quelle und seine Mündung in die Saône, beide in Frankreich, sind nur 90 km voneinander entfernt, doch der Doubs ist 450 km lang. Er wählt nicht den direkten Weg. Er mäandert durch den Jura. Wir vermuten, auch er sucht sich genussreiche Pfade. Wie wir. Gerne gehen wir mit ihm, ihm entgegen.
Ich erinnere mich an «Wasser im Chemieunterricht». An diese gewöhnliche, alltägliche aber doch erstaunlich ungewöhnliche Substanz. Wasseranomalien. Diese Ungewöhnlichkeiten des Wassers ermöglichen das (scheinbar) Gewöhnliche, uns Gewohnte. Das Ungewöhnliche im Gewöhnlichen, das gibt zu denken.
Im Jura ist Wasser knapp. Die breiten Dächer der Jurahöfe leiten Regenwasser in unterirdische, kühle Zisternen. Auf jeder Weide sehen wir Tränken. Eine Kuh trinkt zwischen 65 und bis 130 Liter Wasser pro Tag.
Mein Vater brachte in trockenen Sommern mit dem Traktor der Landwirtschaftlichen Genossenschaft Aarberg Wasser aus dem Seeland in den Jura.
Aus meiner Kinderzeit halte ich täglich ein Wasserglas in der Hand. Auf dieses Glas hat mein Vater eine Kuh vorgezeichnet und ich habe sie ausgemalt. Die Kuh trinkt aus einem Brunnen. Dieses Glas verbindet mich täglich mit meinem Vater und seiner schweren Arbeit. Auch zu meinen Gunsten.
In Subey übernachten wir im Hotel du cerf. Der Hirsch dieses Hirschen hält eine grosse Salatschüssel in den Händen. Gaumenfreuden auf pflanzlicher Basis.

Das sanfte Rauschen des nahen Doubs schenkt uns einen erholsamen Schlaf und gute Träume.