Etappe 3: Von Soubey nach Saignelégier (gewandert am 3. Mai 2026).
Claudia und ich, Schritt für Schritt in den Jura hinauf und hinab und hinein. Wir werden Jura-Bewanderte. Als Geografin könnte Claudia über Falten- und Tafeljura, über Kalksteinverwitterung, Dolinen, Klusen und Höhlen, über Wälder und Weiden erzählen.
Noch heute ist das Schweizer Juragebiet zu 47% von Wäldern bedeckt, während 43% von landwirtschaftlichen Flächen eingenommen werden. Nur gerade 8% der Fläche sind besiedelt.
Auf unseren Wegen in den Jura sind solche Prozentzahlen abwegig. Wir gehen in den Jura hinein. Es passiert etwas mit uns. Wir werden selbst zu einem Stück Jura. «Es geit üs tief ine.» Tief unter die Haut. Wir wandern mit allen Sinnen, mit Leib, Seele und Geist, versinken, verschmelzen, verbinden uns nach und nach mit diesen Jura-Landschaften. Es muss so etwas wie Berührungstiefen, Verbindungsintensitäten geben.
Wir nehmen Atmosphären, Stimmungen wahr. Innere Berührungen. Resonanzen. Die weiten, sanften Hügel, die Hügel hinter den Hügeln der Hügel, die sich im Dunst verlieren, hinter den sieben Bergen, märchenhaft.
Ich ahne Geheimnisse, eine leise Stimme raunt mir zu: «Komm! Auf geheimen Pfaden wirst du Wunderbares sehen.» Ich bin drin in dieser Atmosphäre. Sie umfängt mich, nährt meine Seele, meine Fantasie.
Nichts davon hörte ich als Kind in der Geographiestunde der Sekundarschule Aarberg. Ich erinnere mich noch an Falten- und Tafeljura.
Die Ammoniten, die ich mit meinen Kindern in Liesberg suchte und fand, bezaubern mich hingegen bleibend.
Und jetzt sind wir Schritt für Schritt drin in diesen Jura-Landschaften auch Seelenlandschaften. Plateaus, Schluchten, Auenwälder, Bergrücken, weite Weiden. Und immer wieder: Bäume, Wald, Wald, Wälder vor Augen und bis zum Horizont.