Wir wandern von Saint-Imier auf den Chasseral.
Ich bin gespannt, was sich heute zeigen wird. Nach wenigen Wanderminuten: auf einer weiten Wiese in leuchtendem Rotbraun ein Fuchs. Wir bleiben stehen, der Fuchs lässt sich bewundern, er überrascht uns mit einem eleganten Sprung.
Wir gehen weiter. Der Wanderweg führt uns durch die Betriebsgebäude der Compagnie des Montres Longines Francillon SA. «Eleganz, die grundlegende Tugend der Marke, ist auch heute noch das Prinzip, an dem sich all ihre Aktivitäten in der ganzen Welt orientieren.» Longines hat verstanden: Menschen lieben Eleganz, Schönheit.
Beim Aufstieg zur La Combe Grède zeigen sich weitere Schönheiten: Eine Gämse eilt grazil vorbei, eine tiefschwarze Schnecke glänzt uns entgegen, ein Rotmilan begeistert mit eleganten Spiralen.
Riesengrosse schuppige Stielprolinge entzücken uns, und weil wir einander zurzeit über Pilze vorlesen («Verwobenes Leben» von Merlin Sheldrake) sehen wir auch die Vogel-Nestwurz, eine Orchidee, die von der Keimung bis zur Blühreife etwa neun Jahre braucht und die ohne Blattgrün, ohne Photosynthese, dafür von Pilzen lebt.
Wir steigen auf steilen Pfaden, Treppen und Leitern durch die Schlucht «La Combe Grède». Schritt für Schritt empfinden wir die Wucht der Felsen, die Kräfte dieser uralten Gegend.
Durch Wald und über Weiden gehen wir dem Chasseral entgegen. Und mit einem einzigen Schritt auf den Kamm hinauf öffnet sich ein weites Panorama. Die drei Seen glitzern in der Abendsonne, im Dunst die Voralpen, die Schneeriesen. Darüber der weit gespannte Himmel. Blau, Grün, Weiss, in allen Schattierungen, ein lebendiges, grossformatiges Kunstwerk.
Vielleicht ist dieser Moment heute die intensivste Erfahrung von Schönheit. Ein Tag voller Schönheiten, Nahrung für die Seele.