Von Basel SBB aus mit dem Zug via Delémont in 1 Stunde und 18 Minuten nach Porrentruy.
Wir haben Zeit, leben im Zeitwohlstand, können langsam sein. Schritt für Schritt über altes Kopfsteinpflaster durch das mittelalterliche Städtchen Pruntrut. Im Rücken das grosse Schloss. Im 13. Jahrhundert von den Grafen von Mömpelgard errichtet. Wir sind drin in der Geschichte und den Geschichten dieses Ortes.
Der Jura, eine Gegend vieler Uhrenwerkstätten. Mir fällt ein Satz aus dem Physikunterricht ein: «Zeit ist, was Uhren messen». Wir kommen an ausgeräumten, heruntergekommen Gebäuden einstiger Uhrenmanufakturen vorbei. Direkt daneben glänzende Fassaden neuer Unternehmen.
Jura, auch eine Bezeichnung für ein geologisches Zeitalter. Erdmittelalter, vor rund 200 – 160 Millionen Jahren. Schnell gesagt und doch unvorstellbar. Wir gehen über aufgefalteten Meeresboden. Einst wuchs hier, an den Ufern des Urmeeres Tethys, üppige, tropische Vegetation; Dinosaurier lebten hier. Menschen gab es noch keine. Adam und Eva waren noch Zukunft.
Mit dem langsamen Gehen ändert sich das Gespür für die Zeit.
Auf den Pfaden durch die Wälder, im Gehen über weite Weiden, im Blick weit entfernte Horizonte. Wir spüren, wie die Zeit langsamer wird. Erinnerungen finden langsam ihren Weg ins Bewusstsein:
Die einsamen Bauernhöfe erinnern mich an meine Kinder-Zeichnungen vor etwa 70 Jahren. Mein Lieblingsmotiv: Ein grosser Bauernhof, umgeben mit eingezäunten Weiden, ein paar Kühe, Pferde und Hühner, einige Bäume, ein grosser Gemüse- und Blumengarten. Genauso gibt es sie hier. Meine Kindheit und meine Gegenwart kommen zusammen. Zeiten vermischen sich, spielen zusammen.
In St. Ursanne lesen wir den Busfahrplan falsch. Der Weg hoch zum Bahnhof ist zu Fuss mühsam. Doch jetzt muss es sein. Wir können die Bahn nach Basel noch erreichen. Oben angekommen, kommt bald auch der Bus. Das ist heute, am 1. Mai 2026, die letzte Lektion zu Zeit und Zeiten.