Vieles was ich tue, mache ich einfach so. Aus Routine, aus Gewohnheit, ohne mir gross was dabei zu denken. Vielleicht wäre hie und da, dieses eine Mal, ein Aufmerken, etwas mehr Aufmerksamkeit, ein Bewusstwerden, was ich da gerade tue, mit was und wem ich es hier gerade zu tun habe, ein bewusstseinserweiternder Akt, eine sinnstiftende Praxis, die mir eine erweiterte Sicht, etwas mehr Aussicht und Einblick geben könnte.
Beispiel Kaffee: Genuss, Duft, Anbau, Kaffeesorten, Verarbeitung, Afrika, Transporte von dort in unsere Küche, Kaffeehandel, Kaffee rösten, unser Wasser, wichtig für guten Kaffee, nein, keine Kapseln, schon länger nicht mehr, aber unsere Bialetti, die geniale Kaffeemaschine aus Italien usw.
Ich würde Zusammenhänge, ein Gewebe, Verflechtungen sehen. Einige davon würden sich zeigen und ich würde mich wundern, ich wäre ver-wundert, wie mein Alltag voller Zusammenhänge, fremder Länder und Menschen und Handwerkspraktiken ist, wovon ich lebe, wem ich alles vertraue.
Ich würde meinen Alltag, einige Details, einige Sächelchen, ihren Hintergrund etwas besser ahnen, sehen wäre zu viel gesagt. Diese Vielfalt, diese Verästelungen der Verästelungen zeigen sich, wenn ich sie sehen will.
Das wäre eine ziemlich kontemplative Art und Weise zu leben, meine Effizienz würde sehr darunter leiden, ich käme nicht mehr vorwärts. Ich würde staunen, mich wundern, was sich da alles zeigt.
Dieses oder jenes würde ich recherchieren wollen. Mindestens schnell auf der Kaffeepackung nachsehen, woher eigentlich unser Naturaplan Bio Fairtrade Bohnenkaffee Marimba kommt (in 0.5 Sekunden 56 000 Hinweise bei Google). Der erste Hinweis ist schnell gelesen. Aha, gar nicht aus Afrika, sondern aus Peru und Mexiko hier in meiner Tasse. Aber was bedeutet genau Bio Fairtrade?
Eine geklärte Frage bringt weitere zehn neue, von denen ich vorher nichts wusste. Hingegen wusste ich, dass genau das beim Aufmerken auf Gewohntes passieren wird. Unsere Alltagswelt ist voller überraschender Zusammenhänge. Ein vielfältiges Gewebe. Ab und zu verwundere ich mich gerne. Ab und zu gehe ich einer Sache nach.